wärme

Manches Schöne ist unvollendet reizvoller als allzu vollendet.

François VI. Duc de La Rochefoucauld

diese kette besteht aus unregelmässigen scheibenperlen. unvollkommen. grad weil mir die unvollkommenheit, unregelmässigkeit der häuser in telde so gefallen hat. die vielen farbanstriche übereinander. teilweise abgebröckelt und wieder überstrichen. kaum ein rechter winkel. so soll diese kette sein. warm, bunt, lebendig. erinnerung an sonne und ferne.

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als wären wir ein früher Morgen im Sommer

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Wolken

Der Körper deiner Stimme ist schwer
wie die aufgetürmten Wolken über den Alpen.
Gipfel, fikiv und veränderlich,
erniedrigen das Gebirge, bis es
flach daliegt als Landkarte seiner selbst.

Die starken Saiten, heruntergespannt
und festgemacht an den Wipfeln der Fichten,
lassen sich nur zupfen, nicht streichen,
und das nur in genauen Momenten.

Was indessen der Bogen fasst, ist flüchtig
wie ein Steinschlag oder die Erinnerung
daran, wie sich die zugewandte Hälfte
meines Körpers neben dir erwärmte,
als wären wir ein früher Morgen im Sommer.

Helwig Brunner

vorrat

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Spät im Jahr

Habt Vorrat ihr genug, ihr meine Augen,
Für einen Winter, lang und weiß und grau?
Nehmt noch dies Asternrot, dies weiche Lila,
Dies späte Gelb, dies herbstlich klare Blau,

Und nehmt den Silberglanz der großen Flüge
Des Habichts und des Eichelhähers wahr,
Und auch den Birnbaum nehmt, ein goldnes Gleichnis
Des Überschwangs vom segensreichen Jahr.

Und endlich nehmt das Lächeln und die reine
Strahlung des schönen Menschenangesichts,
Und alle Nacht wird herrlich euch erhellt sein
Vom farbgen Widerschein geliebten Lichts.

Albrecht Goes

oktoberlied

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz –
Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

Theodor Storm