sommer

Sommer ist:
wenn das Zimmer bei halbgeschlossenen
Jalousien vor sich hin dämmert,
wenn eine einsame Fliege brummend
das Freie sucht und nicht findet,
wenn draussen Zikaden zirpen
bei brütender Hitze, während über
die Fliesen Lichthasen huschen,
zitternd weisse Geschöpfe,
und Vasen, Töpfe, Krüge als
Stilleben gänzlich ruhen.

Ilma Rakusa

Ob als Halskette oder als Einzelperle mit Reif, so hat man den Sommer bei sich

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erinnerung

jetzt hoch hinaus
und in des himmels blaue weite
schon leuchten müde
nur noch weiss verblühte sterne
an rändern zwischen grossen bäumen

jetzt hoch hinaus
und ohne flügel deine seele
wie eines flusses wellen ohne an ein ende zu gelangen
wie eines windes segel aufgespannt und frei

jetzt hoch hinaus
und losgelassen von des ortes freude
wo die erinnerung sich wie ein stilles nest hinschmiegt

Hermann Josef Schmitz

im regen geschrieben

Im Regen geschrieben

Wer wie die Biene wäre,
die die Sonne
auch durch den Wolkenhimmel fühlt,
die den Weg zur Blüte findet,
und nie die Richtung verliert,
dem lägen die Felder in ewigem Glanz,
wie kurz er auch lebte,
er würde selten
weinen.

Hilde Domin

landregen

Landregen

Der Regen rauscht. Der Regen
Rauscht schon seit Tagen immerzu.

Und Käferchen ertrinken
Im Schlammrinn an den Wegen. – –
Der Wald hat Ruh.
Gelabte Blätter blinken.

Im Regenrauschen schweigen
Alle Vögel und zeigen
Sich nicht.

Es rauscht urewige Musik.

Und dennoch sucht mein Blick
Ein Streifchen helles Licht.
Fast schäm ich mich, zu sagen:
Ich sehne mich nach etwas Staub.

Ich kann das schwere, kalte Laub
Nicht länger mehr ertragen.

Joachim Ringelnatz