katzenäugchen

Knabenkraut, gefleckt und hell,
Fleisch- und Schmalzblum‘, Küchenschell‘,
Erdrauch, ach, wie zart und fein,
Steinrech und Waldmeisterlein,
Löwenmaul, gelb, rot und weiß,
Katzenäugchen, Ehrenpreis,
Himmelsschlüssel, Guggigauch –
Ach, der Frühling hat im Brauch
Einen ganzen Namenplunder
Für der Schönheit holde Wunder!

Karl Mayer

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blau

bäche zittern silbern,
gräser glittern und nicken,
und weisse anemonen
blicken zum blauen himmel.

ich ging in jungen gräsern
mit meinem weichsten schritt,
die amsel hat gesungen,
und mein herz sang mit.

max dauthendey

schmetterlinge im haar

Bukowina I

Grüne Mutter
Bukowina
Schmetterlinge im Haar

Trink
sagt die Sonne
rote Melonenmilch
weiße Kukuruzmilch
ich machte sie süß

Violette Föhrenzapfen
Luftflügel Vögel und Laub

Der Karpatenrücken
väterlich
lädt dich ein
dich zu tragen

Vier Sprachen
Viersprachenlieder

Menschen
die sich verstehn

Rose Ausländer

tulpen

Tulpen-Predigt

Fenster auf! Es hat der Frühling
Endlich wieder seine Zeit.
Alle Blumen müssen blühen,
Alle Vögel müssen singen,
Alle Mädchen müssen lieben,
Alle Herzen werden weit.

Mädchen mit den süßen Augen,
Komm, setz dich auf meinen Schoß!
Deine Hände muß ich küssen,
Deine Augen muß ich küssen,
Deine Lippen muß ich küssen,
Denn die Freude ist zu groß.

Sieh doch, Kind, die Tulpen haben
Ihre Kelche aufgemacht:
Rote, gelbe und gescheckte:
Tiefe Kelche voller Gluten,
Nichts als Schönheit, nichts als Liebe,
Eine ungeheure Pracht.

Kann denn irgendeiner traurig
Unter diesen Flammen sein?
Sieh: das kam aus schwarzer Erde!
Denke: solche Flammen schlafen
Winters unter unsern Füßen!
Nur die Liebe schläft nie ein.

Glaube, Mädchen, an die Erde,
Weil sie voller Liebe ist,
Sind wir doch aus ihr geboren,
Wie die Blumen aus dem Beete.
Schlechtes Kind, das seiner Mutter
Wunderreichen Schoß vergißt.

Laß die Blinden ihre Augen
In das Himmlische verdrehn.
Du bewußtes Kind der Erde,
Reich wie sie an Saft und Kräften,
Wohlgetane, Starke, Schöne,
Du sollst in die Blumen sehn.

Alles, was das reiche Leben
Dir bestimmt hat, Mädchen, ruht
Auch in diesen Glutenkelchen,
Und es meints die Mutter Erde
Mit den liebetreuen Kindern
Immer, Mädchen, immer gut.

Liebe ist das Wort der Worte,
Liebe ist des Lebens Wort;
Weißt du das in deinem Herzen,
Weißt du das in deinen Sinnen,
Dann kann nichts dich überwinden,
Deine Mutter hilft dir fort.

Lacht mein Mädchen? Lache, lache,
Liebes Mädchen, lach mich aus!
Weiser ist dein klares Lachen
Als mein Predigen und Dichten,
Schöner ist dein liebes Lachen
Als ein ganzer Tulpenstrauß.

Einen Kuß! Dann in den Garten,
In die Flammen gelb und rot!
Dankbar treue Erdenkinder
Wollen wir den Tag genießen:
Liebe unser einzger Glaube,
Schönheit unser täglich Brot.

Otto Julius Bierbaum