bedingungslos

ich will
nicht müde werden
deinen worten
die hand zu halten
und einen hafen frei zu halten
in dem dein herzschiff
ankern kann
ich will
nicht müde werden
dich zu lassen
wie du willst
und pläne machen
die so ungewiss sind
wie das leben

©Hermann Josef Schmitz

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mit meeresgrün gewaschenes himmelblau

ich wünschte mir einen sommer
wie silberringe gewickelt um deine finger
einen sommer mit abenden entkleidet im dunkel der höfe
mit blauen monden, schultern gleich

ich wäre königin gewesen
im land des himmels, der die steine bespritzt
und königin im fluss deines schosses

ein sommer wie eine schnalzende zunge
die sich nach trüben quellen im unterholz streckt
einen sommer wie zähne, die in rote früchte beissen

claire genoux

Mit Meeresgrün
gewaschenes Himmelsblau.
Zerflossene Funkenspuren
rändern die Wolken,
buchen-silbergrau,
mit Goldstaub
aus dem Sonnenglutapfel.
Die Rokoko-Rundungen
der Solitude umspielt
die göttliche
Erfüllungs-Szenerie
einer Sommertags-Ahnung.
Diese Nacht,
was wird sie wenden?

Helmut Maier

sich den schatten entziehen
haut aufknöpfen
kaum worte für das leuchten finden
das als Zärtlichkeit
in mehr fingern wartet
als du zählen kannst

Hermann Josef Schmitz

schillernd zwischen düfteschleiern

Die Efeulauben flimmern

Der Sommermittag lastet auf den weißen
Terrassen und den schlanken Marmortreppen
die Gitter und die goldnen Kuppeln gleißen
leis knirscht der Kies. Vom müden Garten schleppen
sich Rosendüfte her – wo längs der Hecken
der schlaffe Wind entschlief in roten Matten
und geisternd strahlen zwischen Laubverstecken
die Götterbilder über laue Schatten.
Die Efeulauben flimmern. Schwäne wiegen
und spiegeln sich in grundlos grünen Weihern
und große fremde Sonnenfalter fliegen
traumhaft und schillernd zwischen Düfteschleiern.

Ernst Stadler

rosen-rot

Der Garten
öffnet seine Rosen

Sie duften sich
Sonnenworte zu

Nur Liebespaare
fangen sie auf
und grüßen zurück
in der Rosensprache

Rosen antworten rot
mit herzlichem Duft

Duftworte
die sich liebkosen

Rose Ausländer

„Luft und Licht“

sind die Liebhaber der Blumen,
aber das Licht ist der Begünstigte.
Zum Licht wenden sie sich,
verschwindet es, so rollen sie ihre
Blätter zusammen
und schlafen in der Umarmung der Luft ein.

Hans Christian Andersen

Heute will ich dir zu Liebe Rosen
Heute will ich dir zu Liebe Rosen
fühlen, Rosen fühlen dir zu Liebe,
dir zu Liebe heute lange lange
nicht gefühlte Rosen fühlen: Rosen.

Alle Schalen sind gefüllt; sie liegen
in sich selber, jede hundert Male,
wie von Talen angefüllte Tale
liegen sie in sich und überwiegen.

So unsäglich wie die Nacht
überwiegen sie den Hingegebnen,
wie die Sterne über Ebnen
überstürzen sie mit Pracht.
Rosennacht, Rosennacht.

Nacht aus Rosen, Nacht aus vielen vielen
hellen Rosen, helle Nacht aus Rosen,
Schlaf der tausend Rosenaugenlider:
heller Rosen-Schlaf, ich bin dein Schläfer.

Heller Schläfer deiner Düfte; tiefer
Schläfer deiner kühlen Innigkeiten.
Wie ich mich dir schwindend überliefer
hast du jetzt mein Wesen zu bestreiten;

sei mein Schicksal aufgelöst
in das unbegreifliche Beruhen,
und der Trieb, sich aufzutuen,
wirke, der sich nirgends stößt.

Rosenraum, geboren in den Rosen,
in den Rosen heimlich auferzogen,
und aus offnen Rosen zugegeben
groß wie Herzraum: dass wir auch nach draußen
fühlen dürfen in dem Raum der Rosen.

Rainer Maria Rilke

les fleurs suisse oder lazy days

…eine blumenperle wär bei dem titel zu erwarten gewesen ich weiss.
da meine katzen aber, wie katzen es halt belieben zu tun, in jede verfügbare kartonschachtel liegen, fand ich den titel passend. ist ja schliesslich auch eine wunderbare „blume“ unser narziss.
die samtpfoten liegen träge im schatten und die sommerferien 2013 haben begonnen. aus verschiedenen gründen ein besonderer sommer 2013… mit einem fastabschied von einem langjährigen schulort, einem fastneubeginn und einem grossen tag der bald da ist.
langeweile ist was anderes;-)

während dem die katzen sich ausruhen, geniesse ich endlich wieder mal lange perlnächte und werde die nächsten paar tage einiges zeigen können.
heute aber eher einfach bilder nach dem motto „lazy days…“

rosa hortensie

Wer nahm das Rosa an? Wer wusste auch,
dass es sich sammelte in diesen Dolden?
Wie Dinge unter Gold, die sich entgolden,
entröten sie sich sanft, wie im Gebrauch.

Dass sie für solches Rosa nichts verlangen.
Bleibt es für sie und lächelt aus der Luft?
Sind Engel da, es zärtlich zu empfangen,
wenn es vergeht, grossmütig wie ein Duft?

Oder vielleicht auch geben sie es preis,
damit es nie erführe vom Verblühn.
Doch unter diesem Rosa hat ein Grün
gehorcht, das jetzt verwelkt und alles weiss.

Rainer Maria Rilke