zeit

zeit.

zwischen steinen
wächst grün über
mütig ans licht
knospen der zeit

marianne rieter


bilder hermann josef schmitz

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zärtlichkeiten

Ich liebe jene ersten bangen Zärtlichkeiten,
die halb noch Frage sind und halb schon Anvertraun,
weil hinter ihnen schon die andern Stunden schreiten,
die sich wie Pfeiler wuchtend in das Leben baun.

Ein Duft sind sie; des Blutes flüchtigste Berührung,
ein rascher Blick, ein Lächeln, eine leise Hand –
sie knistern schon wie rote Funken der Verführung
und stürzen Feuergarben in der Nächte Brand.

Und sind doch seltsam süss, weil sie im Spiel gegeben
noch sanft und absichtslos und leise nur verwirrt,
wie Bäume, die dem Frühlingswind entgegenbeben,
der sie in seiner harten Faust zerbrechen wird.

Stefan Zweig

gerne mache ich noch einmal etwas werbung für die ausstellung in mannheim, „Glas und Kunst im Luisenpark“ ,an welcher wir mit der glasgarage auch dabei sein werden.
ein wunderschöner park in dem sicher bei diesen sommerlichen temperaturen jetzt alles aus dem boden schiesst und beginnt zu blühen, und ein besuch wert sein wird. zeit für glas und blühen, ruhen und spazieren und sich begegnen…. was will man mehr:-)
ich freue mich über regen besuch.

gras und himmel

was brauchst du

was brauchst du? einen Baum ein Haus zu
ermessen wie gross wie klein das Leben als Mensch
wie gross wie klein wenn du aufblickst zur Krone
dich verlierst in grüner üppiger Schönheit
wie gross wie klein bedenkst du wie kurz
dein Leben vergleichst du es mit dem Leben der Bäume
du brauchst einen Baum du brauchst ein Haus
keines für dich allein nur einen Winkel ein Dach
zu sitzen zu denken zu schlafen zu träumen
zu schreiben zu schweigen zu sehen den Freund
die Gestirne das Gras die Blume den Himmel

Friederike Mayröcker

singendes blau

es klingt
es rauscht
es hallt
es widerhallt
es sprüht
es duftet
und wird andächtig singendes blau.
das blau verblüht zu licht.

hans arp

auch ohne den blauen schatten der wasserflasche sind die perlen schön

nach der erde greifen …

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit uns Land und Zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

Rainer Maria Rilke

von ameisen

eine ameise schleppt mit mühe ein blatt von weither zu ihrem ameisenhaufen.
wie sinnlos, denkst du, direkt beim ameisenhaufen ist der boden doch voll von solchen blättern.
was du nicht weisst: dieses blatt ist ein liebesbrief, den die ameise einer andern bringt, und würde sie einfach neben dem haufen ein blatt auflesen, wäre es kein liebesbrief, denn die wirkliche liebe kommt von weither.

franz hohler aus: die karawane am boden des milchkruges

tulpen …

Ich stürze den Kelch einer Tulpe um und erwarte: erblindete Fenster,
ein goldenes Horn, Baldachine aus Eulenflügeln, Läufen entsicherter
Waffen, alle die Schwermutsbilder, die mir – seit ich allein bin – die
Hände wärmen.

Aber nichts geschieht, nicht einmal ein Tautropfen rollt. Ein
Schmetterling aus Wachs, eine fremde Blume, die mein Türschloß
sperrt.

Obwohl die Sonne scheint – mag sein auf der anderen Seite der
Seele – ist ein Abend zu bestaunen: schwarze Wälder mit
ununterscheidbaren Bäumen und ein doppelter Mond, der mir Licht
ins Zimmer wirft.

wo die kalten Hände sich langsam den Lippen öffnen und – statt der
Lippen – Worte versuchen.

Christian Ide Hintze